Neustart der Jufas (Jugendfarmen) und ASPs (Abenteuerspielplätze) in Hessen in der Corona-Zeit
Stand 20.05.20                                             

Nach dem Corona-Schock auch bei uns (Schließung unserer Einrichtungen, Absage des AJAH-Treffens in Ingelheim) sind wir im Frühjahr angekommen und alle scharren mit den Füßen, in irgendeiner Weise endlich wieder loszulegen. Die Frage ist, unter welchen Auflagen und Bedingungen. Darum streiten sich ja auch die Experten und Politiker.

Der AJAH (Arbeitskreis Jugendfarmen und Abenteuerspielplätze in Hessen) hat sich ein Bild gemacht (Internet, Telefongespräche in der ganzen Republik, Bund der Jugendfarmen und Aktivspielplätze (BdJA), habe auch das hessische Sozialministerium erreicht) und kommt zu dem Ergebnis: Wenn öffentliche, frei zugängliche Spielplätze wieder geöffnet werden, können Kinder- und Jugendfarmen sowie Abenteuerspielplätze  erst recht  wieder öffnen, denn diese  verfügen über verantwortliche erwachsene Personen (Personal oder verantwortliche Eltern) auf einem Spielplatz, der ja nur zeitweise geöffnet wird. Diese Erwachsenen können und müssen den Kindern die Abstandshaltung, das Maskentragen wo nötig sowie sonstige Hygieneregeln genau erklären und das auch kontrollieren. Dies passiert auf normalen, öffentlichen und meist kleineren Spielplätzen nicht.

Der AJAH kann aber logischerweise keine Erlaubnis aussprechen, sondern nur Empfehlungen geben. Das endgültige O.K.  für eine Wiedereröffnung muss  die Stadt bzw. die Gemeinde aussprechen, wobei das Gesundheitsamt beraten kann. Dieses O.K. erreicht man am schnellsten, indem man einen Hygiene-Plan spezifisch für die Einrichtung aufstellt und diesen mit der Stadt/Gemeinde kommuniziert. Ein erstes Beispiel dazu hat der BdJA vom Abenteuerspielplatz Panama in Dresden rumgeschickt (siehe unter www.bdja.org/corona).

Die Wiedereröffnung unserer Einrichtungen kann wie in der Gesamtgesellschaft nur ein Prozess sein: Am Anfang sehr vorsichtig (manchen wird es zu vorsichtig sein) und je nach Entwicklung kann man/frau die Bremse loslassen.

Wichtig wären für den Anfang folgende Punkte:

- Begrenzung der Besucherzahl, abhängig von der Geländegröße und dem Betreuungsschlüssel, können Mitarbeiter und Ehrenamtliche verantwortlich gewährleisten den Kindern die Abstands- und sonstigen Hygieneregeln (genaue aktuelle s. RKI - Robert-Koch-Institut) zu vermitteln und die Einhaltung zu üben und zu kontrollieren. Ich würde für mich als Pädagoge eine Gruppe bis ca. 10 Kinder für verantwortbar halten.

- Gegenüber Läden und Schulen oder Kitas haben wir den Vorteil, dass es nicht zu Stoßzeiten kommt, die Besucher individuell uns besuchen (Gruppenbesuche erst später) und wir im Freien agieren. Dort wirken die Aerosole längst nicht so ansteckend wie in Räumen. Falls es zu Wartezeiten/Schlangen kommt oder in Gebäuden (wenn nicht nötig, diese gar nicht bzw. nur vom Personal/Erwachsenen mit Maske betreten lassen) würde ich auf eine Maskenpflicht bestehen, zumindest für über 6 Jährige. Dazu wäre es gut, Masken vorrätig zu haben, sie sich evtl. von örtlichen Apotheken o.a. spenden zu lassen. Eine Maskenpflicht auf dem gesamten Gelände kann man ebenfalls überlegen. Toiletten sind nur einzeln zu betreten. Wichtig ist es, keine Ansammlungen mehrerer Kinder zuzulassen, die Tröpcheninfektion ja erst ermöglichen. Ebenso von Bedeutung ist es den Kindern beizubringen, sich in  Corona-Zeiten mit Abstand zu bewegen.

- Für ganz wichtig halte ich es, den Kindern 2 m (damit zeigen wir, dass wir besonders vorsichtig sind und uns nicht mit 1,50 m begnügen) Abstand beizubringen. Dafür haben wir bessere Geräte als die meisten Schulen, nämlich unsere Zollstöcke. Hieraus kann man Spiele entwickeln, z.B. in mindestens 2 m Abstand per Gänsemarsch über das Gelände zu laufen, mit Kindern einen Parcours quer durchs Gelände bauen oder im Eingangsbereich statt Klebestreifen wie im Supermarkt/Schule Stöcke in 2 m Abstand mit Pflöcken befestigen und schon haben wir ein Bauprojekt. Die dabei mitwirkenden Kinder helfen dann wieder anderen, die Abstände einzuhalten.

- Essen und Getränke sollen die Besucher selbst mitbringen. Vor dem Essen auf Hände waschen (30 Sek. Einseifzeit) bestehen. Hinweis geben, nicht mit der Hand ins Gesicht zu gehen.

- Toiletten, (ausgeliehene) Werkzeuge u.a. Geräte sind regelmäßig zu desinfizieren (dafür genug Desinfektionsmittel bereithalten, ebenso wegzuwerfende Papierhandtücher, genug Seife ....).

- Noch keine Kindergeburtstage anbieten, es sei denn es feiert nur die Kernfamilie.

- Auch der Kontakt zu Tieren sollte sehr vorsichtig gehandhabt werden, kein Kuscheln und Füttern nur durch die sowieso verantwortlichen Personen, die Kinder können in gebührenden Abstand zuschauen und trotzdem mehr als an jedem Bildschirm lernen (s. dazu auch z.B. die Internetseite hessen-forst.de/alte-fasanerie/ unter Aktuelles, der Wildpark hat geöffnet und beschreibt dort seine Regeln)

- Alle diese Regeln sind per Internetseite und Aushang vor Ort natürlich zu kommunizieren. Vor allem darf es keine Enttäuschung geben, wenn die maximale Besuchszahl erreicht wird. Ist der Andrang zu hoch, so muss man mit Hilfe der Anwesenheitslisten Besuche in Etappen (2 Stunden z. B.) oder tageweise ermöglichen, so wie die Schulklassen ja auch geteilt werden und es frühestens im Jahr 2021 zu einer Normalität kommen kann.

- Zur Absicherung der Einrichtung und einer hoffentlich nicht notwendigen Rückverfolgung von Ansteckungsketten (Tracking) sollte die Anwesenheitsliste lückenlos von den Mitarbeitern/verantwortlichen Eltern mit Zeitangabe geführt werden.

- Auf Besuchergruppen über 5 Personen würde ich erst einmal verzichten, z. B. Schulklassen/Kitagruppen. In 1 Monat kann das schon anders aussehen, aber nur wenn die verantwortlichen Pädagogen (Lehrer, Erzieher) die Regeln auch durchsetzen können.

Diese Liste ließe sich sicherlich noch ergänzen, kann aber für einen Hygieneplan Hinweise liefern. Die Farmen und ASPs  müssen sich mit dem Personal und den verantwortlichen Ehrenamtlern überlegen, was kann und will die Einrichtung gewährleisten. Es nützt kein Plan, der nicht umgesetzt werden kann. Deshalb lieber vorsichtig anfangen, die Regeln deutlich allen erklären und konsequent kontrollieren, sonst ist dieser Anfang wieder gefährdet. Ich weiß so ein Regelmechanismus verträgt sich für viele nicht mit der Freiheit des Tuns und Spielens auf dem Gelände. Aber das Nicht-Anfangen, die Kinder in den 4 Wänden lassen und unsere tollen Einrichtungen nicht zu öffnen kann ja auch nicht die Alternative sein !

Bundesweit öffnen wieder schrittweise Jufas und ASPs zu unterschiedlichen Bedingungen und Auflagen (je nach Bundesland, Ort, Art und Größe der Einrichtung). Der Bund der Jugendfarmen und Aktivspielplätze informiert auf seiner Webseite mit hilfreichen Informationen, Positionspapieren, Stellungnahmen, Hygienekonzepten und weiteren Dokumenten. Diese Seite wird laufend aktualisiert. Deshalb ist es sinnvoll, immer mal wieder die Seite auf Neuigkeiten hin zu überprüfen.

https://www.bdja.org/corona/corona-hilfreiche-informationen/

Außerdem wurde eine weitere Seite zum Thema Online-Fortbildungen angelegt, die nun nach und nach bestückt werden wird.

https://www.bdja.org/fortbildung/online-fortbildung/


Unsere Verantwortung liegt darin, gerade die Kids zu befähigen in Corona-Zeiten (und die werden noch monatelang dauern, zumindest diese Sommer-/Herbstsaison)  - ohne sich und andere unnötig zu gefährden - :
-       frei und draußen - eben auch in unseren tollen Einrichtungen - zu spielen,
-       soziale - wenn auch distanzierte - Kontakte zu haben,
-       sich selbstbestimmt zu beschäftigen ......

Dazu müssen ihnen die Regeln nachvollziehbar erklärt und sie immer wieder daran erinnert werden.
Ich finde, jeder vorsichtige Neuanfang ohne nachzulassen, die leider notwendigen Regeln einzuhalten, ist für die Kinder und aber auch für uns besser, als in der Schockstarre zu verbleiben ! Es stärkt mit Sicherheit das Immunsystem.

In diesem Sinne wünscht der AJAH allen Einrichtungen einen guten Neustart !

Bleibt alle gesund !

Willy Juch   (Sprecher des AJAH)






Hessisches Ministerium für Soziales und Integration
Referat II3A

Auslegung der Corona Kontakt- und Betriebsbeschränkungsverordnung vom 7. Mai 2020 für Angebote der Kinder und Jugendarbeit

1. Kinder- und Jugendgruppen im öffentlichen Raum
Beispiele: mobile Jugendarbeit, Spielmobile, Jugendgruppe läuft zu einem Spielplatz, Jugendarbeit auf einem öffentlichen Spielplatz etc.)
Hier gilt § 1 Absatz 2 Nr.1. Das bedeutet, dass für solche Versammlungen "aus betreuungsrelevanten Gründen" nicht die Beschränkung der Personenzahl nach Abs. 1 gilt. Nach § 1 Abs. 5 sind die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts zur Hygiene bei jeglichen Zusammentreffen zu beachten. In Situationen, in denen Maßnahmen der physischen Distanzierung nur schwer eingehalten werden können, wird das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung dringend empfohlen.

2. Kinder- und Jugendarbeit in Einrichtungen

Beispiele: offene Jugendräume in Kommunen, Gruppenabende von Jugendverbänden, einmalige Fachtagungen, Gruppenfahrten, Aufenthalt in Gruppenhäusern etc.

Für offene Angebote, die in Einrichtungen stattfinden, gelten die Bestimmungen des § 1 Absatz 2 Nr. 4. Dies gilt insbesondere für offene Angebote mit einem unspezifischen Teilnehmendenkreis ohne vorherige Anmeldung sowie einmalige Veranstaltungen mit spezifischem Teilnehmendenkreis wie beispielsweise eine Tagung. Das bedeutet, dass die in § 1 Abs. 2 Nr. 3 a-d und Nr. 4 genannten Bedingungen umzusetzen sind. Die maximale Personenzahl ist auf 100 Personen begrenzt.

3. Kinder und Jugendarbeit in Einrichtungen und unterrichtsähnlicher Form
Beispiele: Erste-Hilfe-Kurs über mehrere Abende; JuLeiCa-Ausbildungen, Konfirmanden-Unterricht etc.

Für Kursangebote, die in Einrichtungen stattfinden, gelten die Bestimmungen des § 5. Dies sind beispielsweise mehrtägige Seminare/Kurse für Gruppen. Dies bedeutet, dass die in § 5 Abs. 1 genannten Bedingungen umzusetzen sind. Die maximale Personenzahl ist auf 15 Personen begrenzt. 

4. Gemeinnützige Übernachtungsbetriebe für Kinder und Jugendliche
Hier gelten die Bestimmungen des §4 Absatz 4.
Zudem haben die Einrichtungen dafür Sorge zu tragen, dass in gemeinschaftlich genutzten Sanitär- und Schlafbereichen die allgemein gültigen Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden.  Die Regelungen des § 4 Abs. 4 gelten auch für die Durchführung von Jugendfahrten und -freizeiten auf Zeltplätzen.
Dies bedeutet z.B.:
- Für ein Einhalten der Abstandsregeln von mindestens 1,5 m in allen Sanitärräumen ist durch organisatorische oder technische Maßnahmen zu sorgen. 
Erläuterung: Eine organisatorische Maßnahme wäre z.B. die Begrenzung der Personenzahl; technische Maßnahmen wären z.B. die Sperrung jedes zweiten Waschplatzes oder Abstandsmarkierungen auf dem Fußboden an Waschplätzen und Waschgelegenheiten.
- Es dürfen keine wiederverwendbaren Handtücher genutzt werden. Zugelassen sind Handtuchspender oder Heißlufttrockner.
- Bei Unterbringung in Übernachtungsstätten mit Mehrbettzimmern ist die Belegung von Räumen so zu reduzieren und die Anordnung des Mobiliars so zu gestalten, dass Abstände von mindestens 1,5 m eingehalten werden können.
Für Zeltplätze und Selbstversorgerhäuser, bei denen nicht durchgehend ein Betreiber oder eine Betreiberin anwesend ist, gilt: der Betreiber hat die Räumlichkeiten entsprechend den Vorgaben zur Verfügung zu stellen und eine Einweisung vorzunehmen, während des Aufenthalts sind dann diejenigen in der Verantwortung, die die Gruppenfahrt durchführen/veranstalten/begleiten.

Stand: 15.05.2020





SOFORTHILFE-PROGRAMM


Es besteht ein Soforthilfeprogramm für gemeinnützige Vereine. Alle erforderlichen Unterlagen hierfür sind hier: 

https://www.hessen.de/fuer-buerger/corona-hessen/soforthilfe-fuer-gemeinnuetzige-vereine 

https://www.hessen.de/fuer-buerger/corona-hessen/soforthilfe-fuer-gemeinnuetzige-vereine